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Men Going Their Own Way
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Men Going Their Own Way (kurz MGTOW, sprich: Migtau; deutsch „MĂ€nner, die ihren eigenen Weg gehen“) ist eine antifeministische und in weiten Teilen misogyne Online-Community, die MĂ€nner dazu aufruft, Kontakte zu Frauen zu unterlassen, beziehungsweise die Bindung an eine Frau durch eine Ehe oder eheĂ€hnliche Gemeinschaft ablehnt. Im Gegensatz zu der MĂ€nnerrechtsbewegung glaubt die MGTOW-Bewegung, dass die ihrer Auffassung nach zu verweiblichte und gynozentrische Gesellschaft nicht verĂ€ndert werden könne, und propagiert daher, dass MĂ€nner „ihren eigenen Weg“ gehen mĂŒssten.cite-ref-0-2-0[2]

Contents

‱ Geschichte
‱ Ideologie
‱ Rezeption
‱ Weblinks

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Geschichte

Die Bewegung entstand Anfang bis Mitte der 2000er-Jahre.cite-ref-ml-3-0[3] Die UrsprĂŒnge der MGTOW sind bis heute nicht geklĂ€rt, obwohl es vielfĂ€ltige Verbindungen zur antifeministischen Szene im Internet, der sogenannten Manosphere gibt.cite-ref-0-2-1[2] Laura Bates identifiziert einen Australier mit dem Pseudonym Solaris und einen Skandinavier mit dem Pseudonym Ragnar als GrĂŒndervĂ€ter der Bewegung.cite-ref-4-4-0[4] Anfang 2019 hatte der MGTOW-Subreddit 104.000 Mitglieder und einzelne MGTOW-Foren erzielen 5-stellige Mitgliederzahlen.cite-ref-3-5-0[5] Auch auf Youtube sind MGTOW-Videos populĂ€r: Der bekannteste MGTOW-Vlogger Sandman erreichte mehr als 90 Millionen Videoaufrufe.cite-ref-6[6] Im Jahre 2020 gehörten die MGTOW neben den Incels zu den am stĂ€rksten wachsenden Gruppen innerhalb der Manosphere.cite-ref-7[7]cite-ref-8[8] Im August 2021 sperrte Reddit den MGTOW-Subreddit wegen VerstĂ¶ĂŸen gegen die Richtlinien hinsichtlich der Anstiftung zu Gewalt und Verbreitung von Hassrede,cite-ref-9[9] woraufhin einige Akteure auf andere Plattformen auswichen wie beispielsweise Instagram.cite-ref-8-1-1[1]

Ideologie

Die Tatsache, dass MGTOW in der Vergangenheit eine libertĂ€re Ideologie vertraten, trug zur Abspaltung von der MĂ€nnerrechtsbewegung, deren AnhĂ€nger politischen Aktivismus befĂŒrworten, bei.cite-ref-5-10-0[10] Kern der Ideologie der MGTOW ist die Annahme, dass MĂ€nner in einer vermeintlich gynozentrischen Gesellschaft benachteiligt wĂŒrden und es eine Doppelmoral bei den Geschlechterrollen gebe, die die von Teilen des Feminismus angestrebte Gleichberechtigung in Frage stelle. In MGTOW-Foren werden Frauen oft als MĂ€nnern unterlegen, manipulativ, verlogen und feministisch indoktriniert dargestellt.cite-ref-0-2-2[2]cite-ref-1-11-0[11] Äußerungen, die die UnabhĂ€ngigkeit von MĂ€nnern behandeln (beispielsweise Hobbys oder Fragen des Lebensstils als Single) sind in den Online-Communitys der MGTOW in der Minderheit. Die Mehrheit der Postings richtet sich gegen die vermeintlich „böse“ Natur der Frauen und dass MĂ€nner von Frauen unterdrĂŒckt, missbraucht oder getĂ€uscht worden seien.cite-ref-12[12]

MGTOW-Gruppen teilen die in anderen Manosphere-Gruppen verbreitete Überzeugung, dass Frauen bei der Partnersuche und in der Ehe einem Ă€hnlichen Muster folgen wĂŒrden: Junge und attraktive Frauen seien promiskuitiv und „hypergam“, das heißt, sie hĂ€tten Sex mit zahlreichen MĂ€nnern und verlassen einen Mann, wenn ein „höherwertiger“ Mann Interesse zeigt. Sie teilen MĂ€nner in eine wie bei einigen Tierarten existierende Rangordnung ein und glauben, dass Frauen sich zu „Alpha-MĂ€nnern“ hingezogen fĂŒhlen, die zwar attraktiv sind, sie aber schlecht behandeln, und dass dies ihren Glauben an den Feminismus festige. Mit zunehmendem Alter, so die MGTOW-Ideologie, wĂŒrden Frauen Beziehungen mit „Beta-MĂ€nnern“ eingehen, die sie materiell und finanziell versorgen, denen sie aber den Sex verweigern wĂŒrden. Stattdessen wĂŒrden sie sich außerhalb ihrer Ehe sexuell mit attraktiven MĂ€nnern betĂ€tigen. Schließlich wĂŒrden die Frauen sich von ihren MĂ€nnern scheiden lassen und durch Gerichte in Scheidungsverfahren aufgrund eines „weiblichen Privilegs“ bevorzugt werden.cite-ref-0-2-3[2]cite-ref-5-10-1[10]cite-ref-13[13]cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]

Eine besondere Rolle spielt in der Kommunikation zudem das Thema Vergewaltigung und die Furcht, selbst der Vergewaltigung bezichtigt zu werden, weil Frauen VergewaltigungsvorwĂŒrfe hauptsĂ€chlich zum eigenen Vorteil verwenden wĂŒrden.cite-ref-1-11-1[11]cite-ref-2-16-0[16] Des Weiteren spielen Unsicherheiten und Ausbeutung am Arbeitsmarkt eine Rolle in den Diskussionen. Die MGTOW sehen vor allem MĂ€nner als Leidtragende dieser Bedingungen, die gesellschaftlich als Brotverdiener gesehen werden.cite-ref-17[17] Sie rufen teilweise dazu auf, nur so viel zu arbeiten, wie nötig ist, um das Existenzminimum aufrechtzuerhalten.cite-ref-6-18-0[18]

Aus dieser Ideologie ergibt sich fĂŒr die Angehörigen dieser Gesinnungsgemeinschaft ein mehrstufiges, separatistisches Programm: MĂ€nner sollten zuerst die gesellschaftlichen ZustĂ€nde „durchschauen“, wofĂŒr die in der Online-MĂ€nnerrechtsbewegung gelĂ€ufige Metapher der Roten Pille (engl. red pill) herangezogen wird, die sich auf die Matrix-Filmreihe bezieht.cite-ref-19[19] Dann sollten MĂ€nner jegliche Beziehungen zu Frauen entweder vollstĂ€ndig abbrechen oder auf ein Minimum reduzieren, um sich letztlich ganz von der Gesellschaft loszusagen.cite-ref-2-16-1[16] Trotz des Zieles, sich von Frauen abzugrenzen, ist die Rhetorik der MGTOW sehr stark auf Frauen zentriert. In der Ablehnung von Frauen und der oft homo- oder transphoben Abwertung von MĂ€nnern, die nicht dem in der Szene ĂŒblichen MĂ€nnlichkeitsideal entsprechen, symbolisieren die Nutzer nach Ansicht von Forschern der UniversitĂ€ten Melbourne und Monash ihre Zugehörigkeit zu den MGTOW und verteidigen – trotz des selbsterklĂ€rten Ziels, klassische Geschlechterrollen abzulehnen – ein Bild hegemonialer MĂ€nnlichkeit.cite-ref-3-5-1[5]cite-ref-7-20-0[20]

Die Ideologie Ă€hnelt derjenigen anderer Gruppen der Manosphere (etwa den Incels, mit denen MGTOW u. a. eine sozialdarwinistische Weltanschauung teilen,cite-ref-21[21]) lĂ€sst sich aber von diesen auch klar abgrenzen.cite-ref-1-11-2[11] Die MGTOW verschmolzen ab 2015 zunehmend mit der zu diesem Zeitpunkt bekannter werdenden Alt-Right,cite-ref-5-10-2[10] zu der es weitreichende ideologische Überschneidungen gibt.cite-ref-7-20-1[20]

Zahlreiche MGTOWs haben vorgeschlagen, dass die Mitglieder der Gemeinschaft ihr Wachstum mit etwas verfolgen können, das sich „The Four Levels of MGTOW“ nennt.cite-ref-ml-3-1[3] Stufe 0: Situationsbewusstsein: Das Mitglied hat die „rote Pille“ geschluckt und hĂ€lt die Gleichstellung der Geschlechter fĂŒr eine LĂŒge und Propaganda. Stufe 1: Ablehnung langfristiger Beziehungen: Der Mann lehnt langfristige Beziehungen ab, lĂ€sst sich aber dennoch auf kurzfristige Beziehungen und sexuelle Begegnungen ein. Stufe 2: Ablehnung von Kurzzeitbeziehungen: Das Mitglied lĂ€sst sich nicht auf kurzfristige oder sexuelle Beziehungen ein. Stufe 3: Wirtschaftlicher RĂŒckzug: Ein Mitglied auf dieser Stufe weigert sich, mehr Geld zu verdienen, als fĂŒr den Lebensunterhalt notwendig ist. Es sieht die Regierung als tyrannisch an und versucht, den BĂŒrokraten aktiv das Geld aus der Tasche zu ziehen. Stufe 4: Gesellschaftlicher RĂŒckzug: Dies ist die höchste Stufe, die ein radikaler MGTOW erreichen kann. Hier weigert sich der Mann, mit der Gesellschaft zu interagieren.

Demographie

Jie Liang Lin gab 2017 an, die meisten AnhĂ€nger der Community seien heterosexuelle, weiße MĂ€nner der Mittelschicht aus Nordamerika und Europa.cite-ref-0-2-4[2] Laut Jacob Johanssen gab es 2021 keine aussagefĂ€higen Daten ĂŒber die soziale Klasse der AnhĂ€nger; bezugnehmend auf Michael Messmer wĂŒrde jedoch der aggressive Antifeminismus der Gruppierung eher die MĂ€nner aus der Arbeiterklasse ansprechen – im Unterschied zum gemĂ€ĂŸigteren, impliziten Antifeminismus der MĂ€nnerrechtsbewegung, welcher sich eher an die Mittelschicht richte.cite-ref-22[22]

ErklÀrungsansÀtze

Jones, Trott und Wright erklĂ€ren die MGTOW-Gruppen durch die Konzepte toxische, bzw. hegemoniale MĂ€nnlichkeit. MĂ€nner, die gesellschaftlich vorherrschenden MĂ€nnlichkeitsidealen nicht entsprĂ€chen, wĂŒrden als MGTOW versuchen, sich von diesen loszulösen, aber zugleich Taktiken verwenden, die mit toxischen Aspekten von MĂ€nnlichkeit verbunden werden (z. B. die Abwertung anderer MĂ€nner oder Homophobie). Zudem könne möglicherweise die Selbststilisierung als „normale MĂ€nner, die im Leben Schwierigkeiten hatten“ die AttraktivitĂ€t bei mit ihrem Leben unzufriedenen MĂ€nnern erklĂ€ren.cite-ref-3-5-2[5]

Andrew Manno sieht die Ideologie der MGTOW beeinflusst durch eine Denkweise, die durch eine Kombination aus Neoliberalismus und traditioneller MĂ€nnlichkeit geprĂ€gt wurde. Der Neoliberalismus, der sich seit den 1970ern ausbreitete, beinhaltete eine Politik der StĂ€rkung unternehmerischer Macht und ein ZurĂŒckdrĂ€ngen sozialer Sicherungen und Gewerkschaften, wĂ€hrend gleichzeitig kulturell eine Vorstellung von Individualisierung und Selbstunternehmertum vermittelt wurde, in der jeder fĂŒr seinen Erfolg selbst verantwortlich sei. Eng verbunden damit seien traditionelle und toxische MĂ€nnlichkeitsvorstellungen. Dies habe gesellschaftlich insbesondere fĂŒr MĂ€nner zu einer auf UnabhĂ€ngigkeit, HĂ€rte, Wettbewerb und Aggression basierenden Denkweise gefĂŒhrt. Die MGTOW wĂŒrden dieser Denkweise weiter anhĂ€ngen und bloß Frauen die Schuld geben, dass das System nicht zu ihrem Vorteil funktioniere, anstatt diese Vorstellungen und ökonomischen Paradigmen an sich zu hinterfragen.cite-ref-6-18-1[18]

Der Kommunikationswissenschaftler und Psychoanalytiker Jacob Johanssen beschreibt ein durch die neoliberale Vormachtstellung und den zeitgenössischen Kapitalismus geprĂ€gtes VerstĂ€ndnis von SexualitĂ€t, basierend auf Handlungsfreiheit und der Vorstellung, man könne „alles haben, wenn es um Sex geht“. Vermittelt wĂŒrde dies etwa durch „Hookup“-Apps wie Tinder. Solche ungehemmten Vorstellungen fĂŒhrten aber notwendigerweise zu EnttĂ€uschungen. Infolgedessen wendeten die MGTOW sich „von Frauen ab, wĂ€hrend sie gleichzeitig mit dem heterosexuellen Begehren nach ihnen verbunden sind“.cite-ref-23[23]

Rezeption

Die Journalistin und Frauenrechtlerin Laura Bates beschreibt in ihrem Buch Men Who Hate Women, dass in der Community Schilderungen negativer persönlicher Erfahrungen mit Liebesbeziehungen verbreitet seien. Die Ideologie der MGTOW erlaube es MĂ€nnern, die Schuld fĂŒr das Scheitern solcher Beziehungen alleine bei als bösartig dargestellten Frauen zu suchen, ohne selbst Verantwortung zu ĂŒbernehmen. In der Bewegung fĂ€nden MĂ€nner Zugehörigkeit und das GefĂŒhl, als wahres Opfer verstanden zu werden. Sie ist der Ansicht, dass die Ideologie der MGTOW eine breitere gesellschaftliche Rezeption erfahren habe als die Ideologien anderer Gruppe der Manosphere. Im Zuge der MeToo-Bewegung hĂ€tten einige MĂ€nner angekĂŒndigt, in beruflichen Kontexten Kontakt zu Frauen zu vermeiden, was Bates als Übernahme der unter MGTOW verbreiteten Behauptung sieht, es gebe eine sehr große Zahl von falschen BelĂ€stigungs- und VergewaltigungsvorwĂŒrfen durch Frauen. Wenn MĂ€nner, anstatt auf sexuell ĂŒbergriffiges Verhalten zu verzichten, ganz auf Kontakte zu Frauen verzichteten oder angaben, Frauen nicht mehr einstellen zu wollen, seien Frauen im Berufsleben benachteiligt.cite-ref-4-4-1[4]

Jacob Johanssen betont, dass die Diskurse um mĂ€nnliche Autonomie nicht notwendigerweise zu kritisieren seien, dafĂŒr jedoch die Misogynie und der Hass, der in der Gruppierung gefunden werden könne.cite-ref-24[24]

Weblinks

Commons

: Men Going Their Own Way

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Sarah Dawn Moore (YouTuberin): Why Men Are Going Their Own Way (MGTOW Explained) ErklĂ€rung in Englisch

Einzelnachweise

cite-note-8-11. Instagram Has a MGTOW Problem. In: MEL Magazine. 14. Dezember 2021, abgerufen am 14. MĂ€rz 2022 (amerikanisches Englisch).
cite-note-0-22. ↑ Jie Liang Lin: Antifeminism Online: MGTOW. In: Frömming, Urte Undine; Köhn, Steffen;Fox, Samantha; Terry, Mike (Hrsg.): Digital Environments. Ethnographic Perspectives across Global Online and Offline Spaces. transcript Verlag, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-8376-3497-6, S. 77–96, doi:10.25595/503 (genderopen.de [abgerufen am 11. Mai 2020]).
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cite-note-4-44. ↑ Laura Bates: Men Who Hate Women. Simon & Schuster, London 2020, ISBN 1-398-50465-3.
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cite-note-2424. ↑ Jacob Johanssen: Fantasy, Online Misogyny and the Manosphere: Male Bodies of Dis/Inhibition. Routledge, 2021, ISBN 978-1-00-046156-5, S. 126.